Die Hospizbewegung

Hospizarbeit beinhaltet das zugewandte und achtungsvolle Begleiten von Menschen in der schwierigen Endphase ihres Lebens. Ärzte, Schwestern und Pfleger, Ehrenamtliche des Hospizdienstes, Seelsorger und andere Berufsgruppen arbeiten zusammen zum Wohle des Todkranken und der ihm nahestehenden Menschen, wobei der Palliativmedizin und -pflege hierbei eine besondere Bedeutung zukommt. Palliativmedizin bedeutet dabei die bestmögliche Linderung von Schmerzen und anderen Symptomen, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist. Das Sterben wird als natürlicher Teil des Lebens angesehen, als Vorgang der weder verkürzt noch künstlich verlängert werden soll. Diese lebensbejahende Grundhaltung schließt eine aktive Sterbehilfe (Euthanasie) aus. Ziel ist es vielmehr, dass der Kranke möglichst ohne Beschwerden bis zuletzt lebenswert leben kann, umsorgt von Familie, Freunden und den Mitarbeitern des Hospizdienstes.

Zur Würde des Menschen gehört, dass er zu jeder Zeit als Person ernst genommen wird. Diese Haltung erfordert Wahrhaftigkeit im Umgang mit den Kranken, die als Gleichberechtigte und Vorangehende geachtet werden.


Hospizarbeit respektiert die religiöse Überzeugung der Kranken. Deshalb werden Hospiz-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter ihre eigene religiöse Überzeugung nicht aufdrängen, sie aber auch nicht verleugnen, wenn sie danach gefragt werden.

Hospizarbeit schließt das soziale Umfeld des Kranken mit ein und bietet Hilfestellungen an, um den bevorstehenden Abschied zu bewältigen. Auf Wunsch wird die hinterbliebene Familie über den Tod des Angehörigen hinaus begleitet. 

 

Hospizgeschichte

Der Begriff Hospiz kommt aus dem lateinischen „Hospitium“ und bedeutet Herberge. Im Mittelalter lagen diese Herbergen entlang der Pilgerwege, sie boten den Reisenden Schutz, waren aber für manchen Pilger die letzte Station seines Lebens. In diesen Herbergen wurden die Kranken und Sterbenden liebevoll gepflegt.

Die moderne Hospizbewegung

Zwei Frauen sind als Begründerinnen der modernen Hospizbewegung zu nennen:

1967 gründete Cicely Saunders in London das Christopher-Hospiz. Als Krankenschwester, Sozialarbeiterin und Medizinerin hatte sie die Zustände in den Kliniken erlebt. Für Cicely Saunders stehen 4 Bedürfnisse des Kranken im Mittelpunkt: Die Befriedigung seiner physischen, sozialen, emotionalen und spirituellen Bedürfnisse. Schmerztherapie steht für sie immer mit im Mittelpunkt.

Zitat Cicely Saunders:
„Sie sind als Patient wichtig, weil Sie eben Sie sind. Sie sind bis zum letzten Augenblick Ihres Lebens wichtig und wir werden alles tun, damit Sie nicht nur in Frieden sterben, sondern auch bis zuletzt leben können.“

1969 veröffentlicht  die Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross ihr Buch „Interviews mit Sterbenden“ und bricht damit das Tabu über die Thematik zu reden. Ihr Ansatz ist es, das Sterben und den Tod wieder ins Leben zu integrieren.

Zitat Elisabeth Kübler-Ross:
„Es mag befremdlich klingen, aber einer der produktivsten Wege, um zur menschlichen Reife zu gelangen, liegt in der Beschäftigung mit der Erfahrung des Todes.“  „Sich dem Tod zu stellen, bedeutet sich der abschließenden Frage nach dem Sinn des Lebens zu stellen. Der Tod ist die letzte Stufe der Reife in diesem Leben. Wir müssen das Sterben lernen, um das Leben lernen zu können. Im Leben müssen wir ununterbrochen sterben und wiedergeboren werden um zu reifen. Alte Pfade zu verlassen und alte Muster zu zerbrechen ist wie das Sterben.“

Im angelsächsischen und skandinavischen Raum entwickelte sich die Hospizbewegung schneller, in Deutschland gab es mehr Bedenken.

 

Die Hospizbewegung in Deutschland

Der im Jahr 1971 gezeigte Film „ Noch 16 Tage “, der den Alltag im Londoner Hospiz beschreibt, wird kritisch aufgenommen. Sowohl in der Politik als auch in den Kirchen steht man dem Hospizgedanken skeptisch gegenüber. Man sieht die Gefahr einer Ghettoisierung, Hospize werden als „Sterbekliniken“ bezeichnet. Die Abgrenzung zu aktiver Sterbehilfe und dem „Euthanasie-Begriff“ hat in vielen Köpfen noch nicht stattgefunden.

Noch1978 wird in offiziellen Verlautbarungen der Katholischen Kirche und der Bundesregierung die Einrichtung von stationären Hospizen abgelehnt.

Erst 1983 eröffnet die erste Hospizstation in der Uniklinik in Köln.

1986 eröffnet das erste deutsche Hospiz in Aachen

1987 beginnt die erste hauptamtliche Koordinatorin in München ihren Dienst

Die Hospizbewegung in Deutschland ist eine bürgerschaftliche Bewegung. Die Kirchen und Wohlfahrtsverbände nehmen den Gedanken erst nach und nach auf. Durch Öffentlichkeitsarbeit ändert sich auch die Haltung der Politik. Seit 2002 gibt es eine Finanzierung der ambulanten Hospizarbeit durch die Krankenkassen.

Daten zur Hospizarbeit 2013:

Bundesweit gibt es rund

  • 1500 ambulante Hospizdienste,
  • 200 stationäre Hospize und
  • 250 Palliativstationen.
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